Was bedeutet es erwachsen zu sein?
Warum könnte es wichtig sein, wieder das Kind in uns zu spüren?
Welche Bedeutung haben unsere inneren Kinder für die Arbeitswelt?

Es ist schon interessant, wie wir das „Erwachsensein“ bei unseren Kindern begrüßen und fördern. Schon im Kindergarten arbeiten wir daran, unsere Kinder „fit“ zu machen für ein Leben, in dem Sachverstand und kühle Logik darüber entscheiden, erfolgreich zu sein.
Wir werden sehr schnell klug und besonnen.
Der erwachsene, verkopfte Anteil in uns wird gefördert und systematisch aufgebaut.

So schaut dann auch die Erwachsenenwelt aus.
Was bleibt uns auch anderes übrig, als sehr überlegen durch die Anforderungen des Lebens zu gehen.
Es gilt vieles zu bedenken, wichtige Entscheidungen zu treffen, um im Arbeitsumfeld überlegen zu sein und immer aufzupassen, „richtig“ zu sein. Sehr oft schaffen wir dies ganz gut.

 

Stellen wir uns vor, in uns gibt es einen „erwachsenen“ Anteil (den des Klugen, Abwägenden, Berechnenden, sich Arrangierenden) und einen Anteil, der unserem „inneren Kind“ zugesprochen wird. Das innere Kind steht für unsere Sehnsüchte, sinnliche Erlebnisse, Spontanität, Lust, Freude und Trauer, Lachen und Weinen, für alle Gefühle und Emotionen, aber auch für eine tiefe Geborgenheit und ein unschuldiges Sein.

Es ist nun der Erwachsene in uns, der sehr dominant die Führung übernimmt, denn wir wurden darauf konditioniert, „erwachsen“ zu sein. Fakten statt Gefühle, Kopf statt Bauch, Ratio statt Intuition.

 

In der Welt des Erwachsenen hat alles Sinn und Zweck, wird alles organisiert und realisiert, folgt alles einem Plan.
Der Erwachsenen in uns versucht ein Glück zu verwirklichen, daß er auf kognitiver Ebene erfahren hat, durch Konditionierungen von Schule, Arbeit, Freunden und Medien (jeden Tag mit vielen Bildern über „Glücklichsein“). Der Erwachsenen in uns glaubt dadurch genau zu wissen, wie Glück aussieht.
Er weiß sich dafür anzustrengen, sich danach zu sehnen, es mit seinen „Kopfträumereien“ zu verbinden. So schafft er sich sein Glück (als seinen Besitz).

Es passt dann alles (wenn sich seine Vorstellungen verwirklichen lassen), oder es stimmt nicht (wenn die Realität den Vorstellungen nicht entspricht). Aus einem (gedachten) Defizit entsteht die Sogwirkung, die anspornt, noch mehr zu tun, sich noch mehr anzustrengen. (oder im schlimmsten/besten Fall zu resignieren).

Auch wenn wir durch und durch „erwachsen“ sind, spüren wir instinktiv, dass es noch etwas anderes geben muss.
Etwas, was uns auf andere Weise glücklich macht,
Meist ist es eine Vorstellung, die wir zwar in uns spüren, die aber nicht mehr zu unserer Vorstellung unseres Lebens passt.
Gut „verpackt“ ruht diese Vorstellung tief in uns, oft isoliert in einem inneren geschützten Bereich.
_Sie hilft uns, unser Lebenskonstrukt zu schützen, Veränderungen zu vermeiden, und Routinen zu sichern.
Ab und zu tritt sie aber in unser Bewusstsein, überkommt uns in Form von Emotionen und Sehnsüchten.

Wie oft nehmen wir uns  Zeit bei uns anzukommen und uns wirklich zu spüren?
Stattdessen fliehen in den Aktionismus:

Ich muss noch so viel erledigen…
Ich muss noch so viel überlegen…
Ich muss noch so viel in die Reihe bringen…
Ich muss noch versuchen glücklicher zu sein…
Ich muss mich noch mehr anstrengen…

Der Erwachsene in uns organisiert alles, beherrscht uns mit seiner „Klugheit“.
Und wir folgen ihm, meistens ohne Wenn und Aber. Was bleibt uns auch anderes übrig?

So funktioniert unsere Arbeit, unsere Karriere, unsere Freundschaften und manchmal auch unsere Partnerschaften.

„Wenn ich mich noch mehr anstrenge, werde ich noch glücklicher!“

Gleich dem berühmten Hamster in seinem Hamsterrad geht’s weiter vorwärts.
Es muss etwas geschehen!

Was bleibt, ist eine vage Vorstellung davon, was wir auch noch sind.
Tief in unserem Inneren. Diese Ahnung hinterlässt einen bitteren Geschmack bei all dem, was wir doch erreicht haben. All unser Erfolg reicht nicht aus, dies zu überdecken.

Es ist das Kind in uns, das wir nicht mehr wahrnehmen, das in einem stillen Ort in uns verharrt – oft unbeachtet und einsam.

Auch wenn dieses innere Kind in uns noch keine Ahnung hat, wie es gegen den so mächtigen Erwachsen in uns ankommt, so weiß es doch, dass es dazu gehört, dass ohne ies kein wirkliches Glück möglich ist, und es fängt an, auf sich aufmerksam zu machen.

 

 

 

Wie wirkt sich dies auf unsere „Erwachsenenwelt“ aus?
Welches Risiko würde der Erwachsene in uns eingehen, wenn er zulassen würde, dass das innere Kind in uns mehr zur Geltung kommen würde?
Welche Konstrukte, die er so mühsam aufgebaut hat, müsste er dann in Frage stellen?
Was würde sich verändern?

Schauen wir uns die Welt des inneren Kindes in uns an.
Es ist eine lustvolle Welt, in der ohne viel zu überlegen, aus einem Impuls heraus, so gelebt wird, wie es sich am schönsten anfühlt.
Lust, Freude, Lachen, Spaß und sinnliche Wahrnehmung sind hier zuhause.
Nicht die Gestaltung der Zukunft bestimmt das Tun, sondern das Hier und Jetzt. Kreativität kann sich frei entfalten.
Vertrauen in das Leben äußert sich in einer tiefen Geborgenheit, in einem Bewusstsein, beschützt und sicher zu sein.

Es gibt auch das traurige und/oder zornige Kind in uns.
Meist liegt dies daran, dass es nicht beachtet wird in seinem Schmerz.

 

 

Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.
Matthäus 18,3

 

Das Innere Kind erlebt das ganze Spektrum intensiver Gefühle – Freude und Schmerz, Glück und Traurigkeit.
Das Innere Kind funktioniert in der Sphäre von Sein, Fühlen und Erleben.

Das Kind ist unsere instinktive Seite; es steht für die Gefühle, die „aus dem Bauch“ kommen. In anderen Zusammenhängen wurde das Kind auch schon mit dem Unbewussten gleichgesetzt, aber wir sind uns seiner nur deshalb nicht bewusst, weil wir ihm so wenig Aufmerksamkeit geschenkt haben.
Wenn wir wirklich etwas über das Unbewusste erfahren wollen, dann wird es dem Bewusstsein leicht zugänglich.

Wir können das innere Kind auf unterschiedliche Weise betrachten:
Als Kind, das vom inneren Erwachsenen geliebt wird, und als Kind, das nicht geliebt, das kritisiert, vernachlässigt und vom inneren Erwachsenen verlassen wird.

Zu jedem Zeitpunkt wird dieses Kind vom inneren Erwachsenen entweder geliebt oder nicht geliebt, und seine Gefühle und sein Verhalten resultieren direkt daraus, ob der innere Erwachsene die Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle des Kindes kennen lernen und die Verantwortung für sie übernehmen möchte oder ob er sich vor diesem Wissen und dieser Verantwortung schützen will.

Erwachsene, die von ihrem Inneren Kind abgetrennt sind, tun sich schwer damit, Vergnügen zu haben.

 

 

 

Unsere Sinnlichkeit – das tiefe Erleben von Berührungen, Geschmack, Geruch und Gehör – gehört zum Inneren Kind.
Kinder sind sinnliche Wesen. Sie nehmen das Leben mit ihrem Körper, mit ihren Sinnen wahr.

Sie lassen sich auf jede Erfahrung ganz vorurteilsfrei und unschuldig ein, da sie ganz und gar im Augenblick leben.
Sie gehen frei und mit schwingenden Armen, und sie singen, wenn ihnen danach ist.
Sie berühren fast alles, was sie sehen.
Sie lieben es, zu umarmen und umarmt zu werden!

 

Welche Chance bietet sich uns, wenn wir die Verbindung zu unserem Inneren Kind aufnehmen?

Die meisten von uns sagen zu sich selbst: „Es gibt eine Zeit zum Spielen und eine Zeit zum Arbeiten, und wenn es Zeit zum Spielen ist, dann werde ich mit meinem Inneren Kind Kontakt aufnehmen.“
Aber wie heiter würde das Leben dahinfließen, wenn die meiste Zeit und sogar die Arbeitszeit, einem verspielten, kreativen, lustvollen Ort gleichen würde?

Die Art, wie wir unser Inneres Kind behandeln, ist ausschlaggebend für alles andere in unserem Leben.
Wenn wir unser Inneres Kind lieblos behandeln, werden wir abhängig von Dingen, Menschen oder Handlungen.
Wir werden ängstlich, besorgt, depressiv, leiden unter Schmerzen, Leere, Bedürftigkeit, geringer Selbstachtung, einem unerträglichen Gefühl des Alleinseins und physischer wie psychischer Krankheit.

Steht der Mensch mit seinem Inneren Kind in einer liebevollen Verbindung, erlebt er das ganze Leben anders:
Er fühlt sich liebevoll mit den Menschen und mit der gesamten Natur verbunden, weil er mit sich selbst verbunden ist.
Diese innere Verbindung ist eine große Kraftquelle, und stellt eine Ressource dar.

Ziel darf es sein, eine liebevolle innere Verbindung zwischen dem Inneren Kind und dem liebevollen Erwachsenen herzustellen um (wieder) Zugang zu tiefen Quellen der Freude, Wahrnehmung und Intuition zu erlangen.

Dazu ist es nötig, dass der Erwachsene in uns sich dafür entscheidet, sich mit dem „inneren Kind“ zu verbinden, es wichtig zu nehmen und eine „Partnerschaft“ herzustellen.

Stellen Sie sich vor, Ihr inneres Kind und der kluge Erwachsene in Ihnen nehmen sich an der Hand und
helfen Ihnen zusammen, wirklich glücklich durchs Leben zu gehen.
Es wird sich dann so anfühlen, als würden sie  „GANZ“ werden.

Wenn Sie das Kind in sich annehmen, können heilsame Glaubenssätze dann heißen:

Ich bin selbst verantwortlich für mein Glück.
Ich bin bereit, meine Gefühle wahrzunehmen und anzunehmen.
Ich bin offen für Neues und Veränderungen in meinem Leben.
Ich bin stark genug, für mich selbst zu sorgen und für mein Wohlgefühl Verantwortung zu übernehmen.
Ich darf neugierig, verspielt, albern und spontan, lebendig und sensibel sein.

 

Die Beachtung des Inneren Kindes in der Arbeitswelt

In der Businesswelt verstehen immer mehr Firmenchefs, dass durch lustvolle und spielerische Elemente (die das innere Kindsein unterstützen) die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter einfach besser ist.

* Seit drei Jahren führt Google das Ranking der beliebtesten Arbeitgeber der Welt an – und der US-Internetkonzern arbeitet hart für diesen Spitzenplatz: Er serviert seinen Mitarbeiter Gratisessen von Burger bis Sushi, unterhält allein in der Zentrale im Silicon Valley 30 verschiedene Kantinen (auch welche für Vegetarier und Veganer). In den Büros gibt es Schaukeln und Roller zur Entspannung sowie kostenlose Massagen – und somit kaum noch einen Grund, nach Hause zu wollen.

Das hat Schule gemacht: Auch beim Hamburger Spieleentwickler Goodgame sind die Büros mit Kickerplatten und überlebensgroßen Comicfiguren ausgestattet. Und im Sommer (ja, den gibt es manchmal auch in Hamburg) – lockt das firmeneigene Freischwimmbad.
(*aus www.zeit.de 27.12.2015)

*Im Silicon Valley sehen Büros aus wie Wohnzimmer, Küchen oder Hobbykeller. So bleibt man gerne lange bei der Arbeit.

Nach Arbeit sieht es hier nicht aus. Schachfiguren thronen auf dem Tisch in der Küche. Hinter der nächsten Glaswand laden Kickertisch und Spielekonsole zum Daddeln ein. Im Vorraum liegen übergroße Spielwürfel als originelle Sitzgelegenheit auf dem Boden. Die Wand schmückt auf diesem Stockwerk ein überdimensionales Backgammon-Spiel. In den neuen Büros des Berufsnetzwerkes Linkedin in San Francisco sieht es aus, als hätte sich ein Spielefabrikant ausgetobt.
(*aus www.faz.net vom 16.11.2016)

Sehr langsam setzt sich in der Geschäftswelt die Erkenntnis durch, dass wir Menschen keine rationalen, technischen und faktisch funktionierenden Geschöpfe sind, sondern dass es unsere Emotionalität, Lust und Freude ist, die danach strebt, sich entfalten zu können. Meist ist aber die Businesswelt eine Kopfwelt, in der Gefühle scheinbar fehl am Platze sind. Erfolg wird definiert als die Summe von Wissen und Effizienz. Menschen „funktionieren“ oder werden entlassen. Zeit und Gefühle sind wahrer Luxus, die sich keiner erlauben kann.

Wie weit Unternehmen kommen, auf die die genannten Punkte zutreffen, zeigt sich, wenn man betrachtet, was erfolgreiche Unternehmen auszeichnet.

Bei empirischen Untersuchungen über den Grund, warum Menschen in einem Unternehmen arbeiten möchten, zeigte sich folgendes Ergebnis:
Die Zufriedenheit der Mitarbeiter ist ein wichtiger Bestandteil der Philosophie vieler Unternehmen. Doch wie es damit tatsächlich in den Betrieben bestellt ist, hat das Meinungsforschungsinstitut Gallup Organisation vor einiger Zeit ermittelt: Nur 16 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland sind engagiert am Arbeitsplatz. Der gesamtwirtschaftliche Schaden des bestürzenden Ergebnisses „beläuft sich auf 218,2 bis 221,4 Milliarden Euro im Jahr“, rechnet Gallup das Ergebnis um. Für das fehlende Engagement wird vor allem das Management verantwortlich gemacht. So äußerten befragte Arbeitnehmer, dass sie nicht wissen, was von ihnen erwartet wird, dass ihre Vorgesetzten sich nicht für sie als Menschen interessieren, dass sie eine Position ausfüllen, die ihnen nicht liegt, und dass ihre Meinungen und Ansichten kaum Gewicht haben.

Untersuchungen zeigen, dass die Mitarbeiterzufriedenheit sich nicht nur auf die Leistung und Fluktuation auswirkt, sondern auch einen wesentlichen Beitrag zum Personalmarketing leistet. Die Möglichkeit zum eigenverantwortlichen Handeln, ein gutes Bereichsklima und der Führungsstil führen zu einer hohen Mitarbeiterzufriedenheit und stellen zugleich die maßgeblichen Faktoren dar, nach denen Akademiker ihren künftigen
Arbeitgeber auswählen.

Das Konzept der Mitarbeiterzufriedenheit hat jedoch nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch gesellschaftliche Bedeutung. So konnte bereits in den 70er Jahren nachgewiesen werden, dass die Freude an der Arbeit einer der wichtigsten Einflüsse auf die allgemeine Lebenszufriedenheit ist. (Quelle: Welt online www.welt.de)

Analysiert man die Gründe für die Unzufriedenheit am Arbeitsplatz, so kommt man sehr schnell zu den Bedürfnissen des Inneren Kindes. Diese sind der Wunsch nach Anerkennung (und Liebe), Wertschätzung, das Gefühl wichtig zu sein, der Wunsch sich entfalten zu können und frei zu sein im Ausdruck und Wesen.

Betriebe erkennen sehr häufig viel zu spät, was die Mitarbeiter im Unternehmen brauchen, um glücklich zu sein und inwieweit dieses Glück mit dem Glück des Unternehmens untrennbar verbunden ist.

Dabei sind geeignete Maßnahmen leicht und schnell umzusetzen – in Workshops, offenen Mitarbeiterbesprechungen, Ritualen, der Gestaltung der Arbeitsräume und Arbeitszeiten und vielen weiteren Aspekten.

Können Sie sich einen Betrieb vorstellen, auf den Sie sich schon morgens beim Aufstehen freuen, in dem Lachen und Individualität gewünscht ist und jeder Mitarbeiter respektiert und gefördert wird?

Wie würden Sie als Mitarbeiter hier erblühen?
Welche „Human Power“ könnte sich hier entfalten?

 

Ich verzichte auf alle Weisheit, die nicht weint, auf alle Philosophie, die nicht lacht, auf alle Größe, die sich nicht beugen kann – im Angesicht von Kindern.

Kahlil Gibran, 1883-1913, libanesischer Schriftsteller

 

 

 

 

 

 


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